Django Reinhardts 100. Geburtstag

Galakonzerte des Jazz Club München zum 100. Geburtstag des großen Jazzgitarristen am 23.1. und 12.3.2010

München, März 2010 - Jean „Django“ Reinhardt, Gitarrist, Komponist und Bandleader, gilt als der Vater und Begründer des europäischen Jazz. Der Sohn von Manouches (französischsprachigen Sinti) wuchs in einer Wohnwagensiedlung außerhalb von Paris auf und begann seine Karriere als professioneller Musiker als 12-Jähriger. Als 18-jähriger erlitt Django Reinhardt schwere Verletzungen beim Brand seines Wohnwagens. Sein rechtes Bein war gelähmt und seine linke Hand wurde stark verbrannt. In den folgenden anderthalb Jahren der Rehabilitation entwickelte Django Reinhardt eine völlig neue und höchst virtuose Spieltechnik.

Anfang der 1930er Jahre gründete er das legendäre Quintette du Hot Club de France - ein Orchester nur aus Saiteninstrumenten -, in dem neben Django Reinhardt und dem Violinisten Stephane Grappelli zwei Rhythmusgitarristen und ein Bassist mitwirkten. Dieses Quintett wurde ein Sensationserfolg und blieb bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bestehen. Seine Berühmtheit und die Beliebtheit seiner Musik bei der französischen Bevölkerung (und wohl auch bei einigen Besatzungsoffizieren) bewahrten ihn davor, wie viele seiner Verwandten als Zigeuner verfolgt und in Konzentrationslagern umgebracht zu werden. Bis zum Ende des Krieges blieb er unbehelligt in Paris und hielt sich bedeckt, erst 1946 spielte er wieder auf einer kurzen Tournee in den Vereinigten Staaten auch mit Duke Ellington. Er verstarb 1953 an einem Schlaganfall.

Das Neue und Besondere an der Musik Reinhardts war die Mischung aus drei verschiedenen Musikstilen: er schuf aus dem schon gängigen New-Orleans-Jazz der zwanziger Jahre, den französischen Walzern und der traditionellen Spielweise der Roma einen neuen Musikstil, den Zigeuner- oder Gypsy-Swing, der neben der jazzgemäßen Rhythmik durch Akkordeffekte und Stimmungen gekennzeichnet ist. Auch heute klingt Django Reinhardts Jazz noch so frisch und faszinierend wie damals.

Der Jazz Club München e.V. zählt zahlreiche bekannte Münchner Gypsy-Swing-Musiker zu seinen Mitgliedern. Ihrem Idol zu Ehren, welches am 23. Januar 2010 hundert Jahre alt geworden wäre, spielte das „clubeigene“ Michael Santifaller Quartett unter dem Pseudonym Quintette du Jazz Club de Munich ein Galakonzert im Rationaltheater in Schwabing mit seinen schönsten Kompositionen und beliebten Jazzmelodien aus seiner Ära. Für die Zusammenstellung einer Originalbesetzung seines Orchesters hatten sie sich keinen Geringeren als Ismael Reinhardt, einen bekannten Gypsy-Gitarristen und Sänger aus Freiburg, eingeladen. Ismael stammt aus der selben Familie, die neben Django so berühmte Musiker wie den Geiger Schnuckenack Reinhardt hervorgebracht hat. Abgerundet wurde der Abend durch die Mitwirkung der bezaubernden und mitreißenden Münchner Sängerin Daniela Klein. Wegen des großen Erfolgs wurde das Konzert am 12.3. wiederholt.